Was macht eigentlich ein Lieblingsbuch aus?

Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, hat die liebe Diana von Lilienlicht gemeinsam mit mir und noch sechs anderen Bloggerinnen auf dem #Litcamp16 Ideen für eine Blogparade zum Thema „Lieblingsbuch“ gesammelt.

Blogparade Lieblingsbuch | www.antitrist.net
Juliana von Farbenmelodie

Bis zum Ende des Monats habt ihr Zeit einen Beitrag zu verfassen, in dem ihr euch entweder mit dem Thema auseinandersetzen oder euer Lieblingsbuch vorstellen könnt. Alle Beiträge werden später in einem eBook zusammengefasst, das Cindy von Piranhapudel erstellen wird. Mehr Infos zur Blogparade findet ihr bei Diana, die die ganze Aktion auf Lilienlicht wunderbar erklärt.

Warum wird ein Buch zum Lieblingsbuch?

Obwohl mir das Thema zunächst einfach erschien, entpuppte sich die Frage nach dem Lieblingsbuch doch recht schnell als sehr persönliche. Ähnlich wie die Frage, warum ich leseManchmal ist ein Lieblingsbuch einfach nur ein Lieblingsbuch. Und manchmal lässt es Rückschlüsse auf die eigene Biografie zu. Euch mein Lieblingsbuch zu präsentieren stellte mich aber auch aus anderen Gründen vor eine echte Herausforderung. Ich verrate euch ein Geheimnis: Entscheidungen sind nicht meine größte Stärke. Schon gar nicht bei Büchern.

Bücher sind Rudeltiere

Ich habe letztendlich nicht ein Lieblingsbuch, sondern einen ganzen Stapel. Wenn ich eines wählen müsste, würde ich spontan Harry Potter oder Der Herr der Ringe sagen. Aber da fangen die Probleme auch schon an: Welcher Band ist denn nun mein Lieblingsbuch? Zählt die ganze Reihe? Wohl kaum, doch für ein einziges Buch könnte ich mich definitiv nicht entscheiden. Warum ist das so?

Singular bietet sich beim Thema Buch einfach nicht an. Ich habe nicht ein Lieblingsbuch, ich will selten nur ein Buch kaufen und auf meinem SUB liegt leider auch nicht nur ein Buch. Bücher sind Rudeltiere. Im Regal stehen sie gerne zusammengekuschelt, und wo eins seinen Platz findet, häufen sich meist weitere an. Egal ob das der Bücherberg neben dem Bett, auf dem Sofa oder sogar im Koffer für den nächsten Urlaub ist.

Doch die Beantwortung fällt mir nicht nur schwer, weil ich bücherverrückt bin und nicht an einer Buchhandlung vorbeigehen kann, ohne mindestens ein Buch mitzunehmen (okay, vielleicht ist das auch einer der Gründe…), sondern auch, weil meine Lieblingsbücher ganz stark mit meinem Leben und meinen Gefühlen verknüpft sind.

Ein Lieblingsbuch ist wie ein bester Freund, den ich lange nicht gesehen habe und mit dem sich trotzdem jedes Treffen anfühlt, als wäre das letzte erst gestern gewesen.

Gibt es universelle Kriterien für Lieblingsbücher?

Ich glaube nicht an ein Rezept für Lieblingsbücher. Noch nicht einmal für gute Bücher, sofern man nicht nur auf das Handwerk schaut. Ein Lieblingsbuch muss am Ende weder literarisch wertvoll noch besonders anspruchsvoll sein. Es ist genauso persönlich wie eine Lieblingsfarbe oder ein Lieblingsessen.

Für mich ist es mehr als „nur“ein gutes Buch. Ich habe eine Menge gute Bücher gelesen, aber nicht jedes davon hat den Lieblingsbuchstatus bekommen. Ein Lieblingsbuch ist wie ein bester Freund, den ich lange nicht gesehen habe und mit dem sich trotzdem jedes Treffen anfühlt, als wäre das letzte erst gestern gewesen. Dasselbe Gefühl habe ich, wenn ich eines meiner Lieblingsbücher nach langer Zeit aus dem Regal nehme. Ich fühle mich augenblicklich in der Welt zuhause und mit den Charakteren verbunden. Es gibt kein „wieder reinfinden“ oder dergleichen.

Lieblingsbücher überschreiten Grenzen

Auch das Timing spielt eine große Rolle. Lieblingsbücher habe ich gefühlt immer in exakt dem richtigen Moment in meinem Leben gelesen. Und häufig haben diese Bücher weitere Bereiche meines Lebens berührt: Ich habe zum Beispiel mit Freunden darüber gesprochen, selbst etwas dazu geschrieben oder, wenn vorhanden, den Film im Kino gesehen. Irgendwie schafft es die Geschichte doch immer mich noch ein wenig mehr zu vereinnahmen als es üblicherweise der Fall ist. Lieblingsbücher sind immer Bücher, die mich in irgendeiner Hinsicht vorwärts gebracht haben. Ich finde durch sie einen neuen Blickwinkel, Inspiration und forme meine Persönlichkeit.

Lieblingsbücher haben kein Ende

Da Lieblingsbücher sich ihren Weg in so viele Bereiche meines Lebens suchen, bleiben sie sehr lange bei mir. Natürlich hat jedes Buch ein Ende im eigentlichen Sinne, irgendwann ist es – leider – ausgelesen und man muss sich dem nächsten zuwenden. Aber ein Lieblingsbuch schafft es tatsächlich, über das Ende hinaus bei mir zu bleiben. Ich beschäftige mich noch sehr lange mit der Geschichte, den Figuren und ihrer Entwicklung. Lieblingsbücher lassen mich selten ganz los. Sie treten vielleicht in den Hintergrund um Platz für andere Geschichten zu machen, aber sie verschwinden selten völlig von der Bildfläche.

Einige meiner Lieblingsbücher

Da ich kein einzelnes Lieblingsbuch benennen kann, zähle ich gleich mehrere Bücher auf, die mich so tief beeindruckt haben, dass sie es auf die Liste meiner Lieblingsbücher schaffen.

  1. Harry Potter 1-7 von J. K. Rowling
  2. Der Herr der Ringe von J. R. R. Tolkien
  3. Die Unendliche Geschichte von Michael Ende
  4. Die Ballade von Lucy Whipple von Karen Cushman.

Eigentlich könnte ich ewig so weitermachen, aber das ist ja nicht Sinn der Sache. Hier also vier Bücher, die mich in der Vergangenheit sehr geprägt haben. Spannend ist vielleicht, dass diese Bücher mich entweder in meiner Kindheit oder beim Erwachsenwerden begleitet haben. Gerade „Die Ballade von Lucy Whipple“ ist ein Kinder- bzw. Jugendbuch, das eher unbekannt ist und sich auf wenigen Listen finden wird. Das Buch ist weder besonders spannend noch besonders gut geschrieben.

Das erste Buch, das ich selbst gekauft habe

Es erzählt die Geschichte der jungen Lucy Whipple, die 1849 in Kalifornien zu Zeiten des Goldrauschs lebt. Das Buch erschien mir damals unendlich grausam. Alles ist schmutzig, es wird viel gehungert und auch gestorben wird reichlich. Nicht unbedingt ein Buch, das man mit 11 Jahren liest und für gut befindet. Aber mich hat das als Kind tief beeindruckt. Auch, weil es eines der ersten Bücher war, die ich mir bewusst von meinem Taschengeld gekauft habe.

Ein Lieblingsbuch von mir: Die Ballade von Lucy Whipple
Die Ballade von Lucy Whipple | dtv junior extra

Ein Mängelexemplar, vom Flohmarkt, aber trotzdem ganz und gar meins. Obwohl ich dem Genre längst entwachsen bin, hat „Die Ballade von Lucy Whipple“ also einen festen Platz in meinem Herzen. Das zeigt mir, dass für „das Lieblingsbuchgefühl“ eben ganz unterschiedliche Dinge verantwortlich sind. Insofern scheint mir dieses Buch ein schöner Abschluss für eine Liste zu sein, die in Wahrheit noch ein kleines bisschen länger ist.

Und ich bin natürlich neugierig:

Welches ist euer Lieblingsbuch und warum hat es diesen Status?

Mehr zur Blogparade gibt’s hier:

Schaut unbedingt auch bei MelliKristinaAnnikaFraukeDianaJanineCindy und Eva-Maria vorbei, die beim #Litcamp16 fleißig über die Blogparade diskutiert und Ideen gesammelt haben. Die liebe Juliana von Farbenmelodie hat das Banner erstellt.

xoxo Nine