Faszination Lesen: Warum ich lese

Vor fast zwei Wochen flatterte eine E-Mail von Sandro Abbate in mein Postfach. Auf seinem Literaturblog Novelero schrieb Sandro darüber, warum er liest. Ein sehr persönlicher Beitrag, der viele Blogger zu eigenen Texten über das Lesen inspiriert hat.

Sandro fragte mich, ob ich mich nicht auch mit diesem Thema beschäftigen wolle. Es ist keine einfache Frage, aber nichtsdestotrotz eine spannende. Warum lese ich? Eine Frage, auf die ich eine Antwort finden wollte.

Die Wurzeln eines Bücherwurms

Liegt mir das Lesen vielleicht im Blut? Kann ich gar nicht anders, weil ich aus einer Sippe von Leseratten stamme, die Bücher geradezu atmen? Nein, das ist es nicht. Tatsächlich gehört Lesen in meiner Familie nicht unbedingt zu den bevorzugten Freizeitbeschäftigungen. Was nicht schlimm ist, ich glaube, meine Verwandtschaft ist auch ohne übermäßigen Bücherkonsum sehr glücklich. Ich nicht. Aber warum ist das so?

Ich erinnere mich daran, dass meine Mutter mir vorgelesen hat. Zuerst nur Märchen, später Kurzgeschichten und Romane. So hat es angefangen. Wir waren oft in der Stadtbibliothek, eigene Bücher hatte ich nur wenige. Als Kind mochte ich vor allem „Pettersson und  Findus“ von Sven Nordqvist. Vermutlich wegen der vielen Bilder und weil es da eine sprechende Katze gab. Ich war zugegeben einfach gestrickt. Aber wann habe ich mich so richtig ins Lesen verliebt?

Der Schrank unter der Treppe

Nur wenige Bücher haben mich so geprägt wie dieses eine. Harry Potter hat mich durch meine Kindheit begleitet. Ich bin mit Harry, Ron und Hermione erwachsen geworden. Als der vierte Band erschien, war ich zehn Jahre alt und meine Mutter arbeitete in der Nachtschicht.

Die ersten drei Bücher hatten wir gemeinsam gelesen, jetzt fehlte ihr die Zeit dazu. Noch nie zuvor hatte ich mich an so einem dicken Buch allein versucht. An ein paar kurzen, das schon, doch an einem solchen Wälzer?

Aber die Geschichte war so spannend und die Figuren so real für mich, dass ich mich Seite um Seite bis zum Schluss durch den Roman kämpfte. Danach gab es kein Zurück mehr. Ich las „Der Herr der Ringe“ mit dreizehn und verstand nur die Hälfte, aber ich las. Es folgten viele weitere Bücher. Meine Liebeserklärung an das Lesen wird allerdings immer auch eine an Harry Potter bleiben. Und an das Träumen.

Ein Universum zwischen Buchdeckeln

Wie kein anderes Medium kann ein Buch eine Geschichte in all ihren Facetten erzählen. Ein ganzes Universum kann Platz finden zwischen zwei Buchdeckeln. Es gibt keine Grenzen, nichts ist unmöglich. Vielleicht haben es Buchverfilmungen beim Publikum deshalb so schwer. Im Gegensatz zum Film kennt der Roman keine Beschränkungen.

Kein Budget, kein Zeitlimit, keine Fehlbesetzungen. Das ist natürlich ein wenig idealistisch, schließlich gibt es Verlage, Lektoren, Verkaufszahlen – doch am Ende stimmt es für mich. Lesen bedeutet Freiheit für meine Fantasie. Alle Bilder, alle Geräusche, alle Gerüche erschaffe ich selbst. Was mir nicht gefällt, kann ich in meiner Vorstellung korrigieren.

Jeder Roman bietet außerdem unendlichen Spielraum für Interpretationen und damit die perfekte Basis für ein intensives Gespräch. Vielleicht ist das ein ganz guter Zeitpunkt um zu unterstreichen, dass ich hier natürlich über Prosa schreibe. Bei Sachbüchern wäre mein Warum zweifellos ein anderes. Vermutlich wäre es weniger romantisch, nicht ganz so pathetisch.

Vom Lesen & Lernen

Ich lese nicht, weil ich glaube mich dadurch bilden zu müssen. Praktischerweise passiert das mit der Bildung beim Lesen allerdings ganz nebenbei. Ich habe mit jedem Buch etwas dazu gelernt. Über mich selbst, aber auch über andere. Dafür muss der Text nicht mal besonders gut oder anspruchsvoll sein. Er muss einfach nur berühren. Im Idealfall lehrt uns das Lesen Empathie.

Wann immer wir mitleiden, wann immer wir uns ganz und gar auf ein Buch einlassen, ist das eine gute Gelegenheit die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Aber das möchte ich anderen Medien nicht absprechen. Gute Geschichten haben diese Fähigkeit.  Trotzdem – wer hunderte von Büchern liest, kann das wohl kaum, ohne nicht wenigstens ein bisschen dazuzulernen. Und wenn es nur die Rechtschreibung ist.

#warumichlese

Als ich über die Frage sinnierte #warumichlese, wurde mir schnell klar, dass die Frage sich nicht mit ein paar Sätzen beantworten lässt. Lesen ist nicht nur ein Hobby, es ist irgendwie auch ein Gefühlsding. Ich lese nicht, weil es praktisch ist oder ich es besonders gut kann. Ich lese auch nicht, weil ich mich nicht anders zu beschäftigen weiß.

Als kreativer Mensch habe ich praktisch immer etwas zu tun und mache viele Dinge gern. Aber nur für das Lesen brenne ich. So wie für alles, was ich damit verbinde. Gute Geschichten, lebendige Figuren, das Schreiben. Und am Ende könnte ich für die Frage #warumichlese sicher mindestens so viele Antworten finden wie Bücher in meinem Regal.

Warum liest du?

Lily

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